Die Chronik unseres Vereins

Die Geschichte des Schützenvereins

Clusorth-Bramhar und Bramhar-Meppen

 

Unser Schützenverein hat eine lange Tradition und lässt sich bis ins 17. Jahrhundert hinein zurückverfolgen. Der Verein besaß eine historische Königskette, deren älteste Plakette aus dem Jahr 1697 stammte. Diese Kette wurde in den Wirren des Kriegsendes im Frühjahr 1945 gestohlen und ist seitdem verschollen (siehe nähere Informationen auf der Startseite Home).

 

Wie bei den meisten anderen historischen Schützenvereinen auch, liegt über die Vereinsaktivitäten in früheren Jahrhunderten größtenteils ein Schleier der Vergessenheit.

 

Bereits im Jahr 1963 unternahm der Verein erste Anstrengungen, das überlieferte Wissen über unseren Verein zu sichern und aufzuzeichnen. Hierzu wurden zahlreiche ältere Schützenbrüder befragt und eine Tonbandaufzeichnung angefertigt. Leider ist das Tonband wie auch die angefertigte Stenographie nicht auffindbar.

 

Auf Initiative des damaligen Vorsitzenden Heinrich Keuter erweiterte der Verein im Jahr 1980 den Vorstand um das Amt des Chronisten. Zum ersten Chronisten wurde Bernhard Wübbels gewählt, welcher dieses Amt über 20 Jahre lang ausübte. Zunächst wurden zahlreiche mündliche Überlieferungen älterer Schützenbrüder aufgezeichnet. Ebenso befragte man Zeitzeugen, welche die verlorene Schützenkette sowie ältere Schriftstücke, die bei einem Vorstandswechsel Anfang der 1920er Jahre abhanden gekommen waren, noch persönlich gekannt haben. Neue Erkenntnisse konnten zudem durch Nachforschungen in Archiven gewonnen werden.

 

Eine weitere Informationsquelle stellt unsere umfangreiche Sammlung an historischen Schützenfest-Fotos dar, welche bis in das Jahr 1908 zurück reicht.

 

Durch diese Maßnahmen gelang es in den vergangenen drei Jahrzehnten, das noch vorhandene überlieferte Wissen über unseren Verein zu sichern und für die Nachwelt zu erhalten. Im Jahr 2011 richtete der Verein, in Zusammenarbeit mit dem Trägerverein Haus der Vereine, einen Archivraum ein, durch den die Arbeit unserer Chronisten unterstützt und professionalisiert werden soll.

 

Im Folgenden möchten wir einen kurzen zusammenfassenden Überblick über einige Eckpunkte in der Entwicklung unseres Vereins geben:





Die Zeit von 1697 – 1905

 

In den Jahren von ca. 1700 bis ca. 1800 wurde nur sehr unregelmäßig das Schützenfest gefeiert. Insbesondere in Hungerjahren, nach schlechten Ernten oder dem Erfrieren des Korns oder des Buchweizens, fiel das Schützenfest aus. Auch litt die Bevölkerung unter dem häufigen Herrschaftswechsel, insbesondere in der Grafschaft Lingen, zu welcher Clusorth-Bramhar gehörte. Während des Siebenjährigen Krieges (1756 – 1763) wurde der Ort zeitweise mit Truppeneinquartierungen belegt. Die Einwohner waren zur Versorgung der Truppen sowie zur Leistung von Kontributionen und zur Bereitstellung von Fourage verpflichtet. Viele Familien gerieten hierdurch in größte Not.

 

Es wird berichtet, dass um das Jahr 1700 ein Überfall auf dem Hof Tönjes in Bramhar-Meppen stattgefunden hat. Die Familie Tönjes, die Nachbarn und andere Dorfbewohner haben die Räuber mit Knüppeln, Forken und Mistgabeln in die Flucht geschlagen. Besonders erwähnt wurde Frau Bram, die kräftig mit der Mistgabel dazwischen gegangen sein soll.

 

In der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde regelmäßiger das Schützenfest gefeiert. Das s. g. Vogelschießen (eine damals geläufige Bezeichnung für die Schützenfeste) hielt man in jener Zeit im Winter ab. Gründe hierfür dürften in erster Linie wirtschaftliche Zwänge gewesen sein. Ein Großteil der männlichen Bevölkerung zog seinerzeit während der Sommermonate außer Landes und verdingte sich in den Niederlanden als Grasmäher oder Torfstecher. Dies waren die s. g. Hollandgänger. Für viele hiesige Familien, insbesondere die der Heuerleute, war diese Wanderarbeit die einzige Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt ausreichend zu bestreiten. Lediglich in den Wintermonaten war die gesamte Dorfgemeinschaft vor Ort.

 

In der Zeit um 1870 kamen die Vereinsaktivitäten aus heute unbekannten Gründen zum Erliegen. Es wurden mehrere Jahrzehnte lang keine Schützenfeste abgehalten.

 

 

Die Zeit von 1906 – 1945

 

Im Jahre 1906 trat die Gemeinde Bawinkel an die Gemeinden Clusorth-Bramhar und Bramhar-Meppen heran, um ein gemeinsames Schützenfest zu feiern. Nach Gesprächen mit dem damaligen Pfarrer Dr. Völker wurde aber vereinbart, getrennt in Bawinkel und Bramhar zu feiern, da der Verein sonst zu groß würde.

 

Eine einberufene Versammlung der Einwohner aus Clusorth-Bramhar und Bramhar-Meppen beschloss, im Jahre 1907 wieder ein Schützenfest zu feiern. Ebenfalls wurde ein Vorstand gewählt. Das erste Schützenfest nach langen Jahren wurde 1907 bei Bernhard Kalmer in Bramhar im Zelt der Firma Nettler aus Haselünne gefeiert. Der Schießstand befand sich in Schmitz- und Lükenfeld. Dort wurde mit Bleikugeln, die vorher im Sand gegossen worden waren, der König ausgeschossen. Auf dem Schützenfest im Jahre 1907 trug der neue König wieder die Kette, die lange Jahre im feuerfesten Schrank des Bürgermeisters gelegen hatte. Die Leute waren sehr erstaunt, als sie die wertvolle Kette sahen.

 

Der König erhielt vom Schützenverein 20,- Mark, wovon er noch etwas übrig behalten haben soll. Ein Schnaps kostete 5 Pf., ein Bier 10 Pf.. Der Jahresbeitrag berug 1,- Mark, eine Tanzkarte kostete 50 Pf..

 

Die Generalversammlung 1908 beschloß, an zwei Tagen, Sonntag und Montag vor Pfingsten, zu feiern. Dieser Termin ist bis heute beibehalten worden.

 

Da am Montag das Fest mit der Schützenmesse beginnen sollte, mussten die Schützenbrüder zu Fuß nach Bawinkel zur Pfarrkirche hin- und zurückmarschieren. Für viele sicher eine harte und schweißtreibende Angelegenheit. Wer allerdings nicht an der Schützenmesse teilnahm, konnte nicht König werden. Am Sonntag wurde in den ersten Jahren noch ohne Musik gefeiert. Es gab eine Reihe Schützenbrüder, die ausgezeichnet Ziehharmonika spielen konnten. Begleitet wurden sie von einem Schlagzeuger, der mit einem Buschkenknüppel auf einen Saatscheffel schlug. Die Musik war kostenlos, deshalb wurden die Musikanten mit reichlich Getränken versorgt. Je später es wurde, desto kräftiger wurde gespielt. Am 2. Schützenfesttag reiste eine Kapelle von auswärts mit dem Fahrrad an.

 

Im Jahr 1910 faßte der Verein den Beschluß zum Bau eines eigenen Festzeltes. Schützenbruder und Zimmermann Anton Droste baute das Zelt. 1911 wurde erstmals im neuen Festzelt gefeiert, welches man in der Schweineweide bei Droste aufgebaute. Die Plane wurde von der Firma Nolte aus Münster geliehen. Die Königswürde im Jahr 1911 errang Clemens Achelwilm. Er erkor Hermann Kessens und Heinrich Kuhr zu Ehrenherren. Dieser Thron wurde „Spitzbartthron“ genannt. Der Schießstand, welcher sonst in Schmitz- und Lükenfelde gewesen war, wurde bei Vehring, in der gemeindeeigenen Sandkuhle, aufgebaut.

 

Im 1. Weltkrieg von 1914 – 1918 sind 36 Schützenbrüder gefallen oder werden vermisst. Das im Jahr 1910 erbaute Festzelt wurde ohne Fußboden als Kriegsgefangenenlager benutzt. Im Jahre 1918 brannte es aus ungeklärten Gründen ab. Somit war der Schützenverein wieder ohne Festzelt. In den Jahren 1915 bis 1919 fielen die Schützenfeste in Folge der Kriegswirren aus.

 

Nach dem Krieg drängte die Jugend wieder auf ein Schützenfest. Die älteren Schützenbrüder zögerten aber anfangs noch. Leid und Trauer saßen offenbar recht tief. Im Jahr 1920 feierte man wieder ein Schützenfest im Dreschhaus des Bauern Egbers. Als Tanzboden diente der vom Zeltbrand verschonte Boden des Schützenzeltes.

 

Im Jahr 1921 wurde das Schützenfest wiederum bei Egbers gefeiert. Anton Droste, vor dem Krieg Kommandeur des Schützenvereins, kehrte nach 3-jähriger Gefangenschaft nach Hause zurück. Über ein Jahr hatte seine Flucht aus Sibirien, die er zusammen mit einem Freund riskierte, gedauert. Anton Droste wurde unter großer Anteilnahme in seinem Heimatort empfangen. Seine Tochter, die er noch nicht kannte, ging bereits zur Schule.

 

1922 feierte man bei Bauer Driever in der Scheune, die Wirtschaft verpachtete der Verein an einen auswärtigen Wirt. Da der Wirt den Schnaps anscheinend zu sehr „gestreckt“ hatte, brauchte er im nächsten Jahr nicht wieder zu kommen.

 

Auf der Generalversammlung im Jahr 1922 wurde der Beschluß gefasst, ein neues Festzelt zu bauen. Das hierfür benötigte Holz erwarb der Verein vom Staatl. Forstamt aus dem Biener Busch. Am Aschermittwoch des Jahres 1922 wurde das Holz von den Schützenbrüdern aus dem Biener Busch gefahren. Unterwegs zog dann ein kräftiges Gewitter mit schwerem Platzregen auf. Gespanne und Fahrer waren völlig durchnässt. Als Vorbeugung gegen eventuelle Folgeschäden wurden die Schützenbrüder dann auch noch von innen nass.

Auf Bitten von Pfarrer Jansen wurde das Holz zunächst als Gerüst beim Ausmalen der Bawinkeler Pfarrkirche verwendet.

 

1923 führt der Verein eine Kinderbelustigung ein, die bis heute beibehalten worden ist und sich großer Beliebtheit erfreut.

 

Das Schützenfest 1924 wurde im neuen, von den Schützenbrüdern Anton Droste und Heinrich Gelze erbauten Festzelt, gefeiert.

 

Eine neue Fahne wurde im Jahre 1929 angeschafft. Die feierliche Segnung fand am Schützenfest-Montag in der Pfarrkirche in Bawinkel statt. Bei dem anschließenden Festakt auf dem Schützenfestplatz hielt B. Thyen, gen. Mossbernd, die Festansprache.

 

Wenige Monate nach dem Schützenfest 1939 begann der Zweite Weltkrieg, in Folge dessen die Vereinsaktivitäten erneut bis 1948 unterbrochen wurden. 50 Schützenbrüder sind im Krieg gefallen oder blieben vermisst. In den Wirren des Kriegsendes 1945 verlor der Verein u. a. seine historische Königskette mit Plaketten ab dem Jahr 1697 (nähere Infos siehe Startseite Home).



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